Enterale Nahrung

Hochkalorische Nahrung wird auch Enterale Nahrung genannt. Dabei handelt es sich um einer künstliche Ernährungsform, die einem Patienten angewendet wird, der nichts essen kann, darf oder will.


Bei der enteralen Ernährung handelt es sich um eine speziell zubereitete Nahrung im Flüssigzustand, die mittels einer Sonde direkt in den Magen geleitet wird. Daher hat sie auch den inoffiziellen Namen Sondenkost bekommen. Die Zusammensetzung enteraler Ernährung ist genau definiert und wird fast ausschließlich industriell gefertigt. Sie ist den individuellen Anforderungen angepasst und in Apotheken erhältlich.

Enterale Ernährung ist jedoch nicht mit der parenteralen Ernährung zu verwechseln. Bei dieser wird eine spezielle Nährstofflösung mittels einer Kanüle direkt in den Blutkreislauf geleitet, so dass der Verdauungstrakt komplett umgangen wird. Funktioniert dieser jedoch noch, wird die enterale Ernährung bevorzugt.

Für eine künstliche Ernährung wird sich dann entschieden, wenn der Patient durch normale Ernährung nicht mehr versorgt werden könnte. Der Zeitpunkt des Einsatzes ist abhängig vom Zustand des Patienten. Meist wird sie bei Menschen angewendet, die bereits mehrere Wochen eine zu niedriger Versorgung mit Energie und / oder Nährstoffen aufweisen. Auch bei Patienten, die innerhalb von sechs Monaten über zehn Prozent ihres Körpergewichts verloren haben, ohne dies beabsichtigt zu haben. Auch Menschen, die mehr als eine Woche keine adäquate Nahrung aufnehmen können, gehören zu den potentiellen Patienten, die per enteraler Nahrung ernährt werden.

Da Mangelerscheinungen ernste Folgen wie etwa

  • Erhöhtes Infektionsrisiko
  • Gestörte Wundheilung
  • Akute Erkrankungen verlaufen eventuell negativer als üblich

aufweisen können, ist es wichtig, die Betroffenen möglichst schnell wieder mit ausreichend Energie und Nährstoffen zu versorgen. Ziel ist es, eine weitere Reduktion des Gewichtes zu vermeiden oder sogar eine Zunahme zu erreichen. Unterschieden wird in voll bilanzierte Sondennahrung, bei der der Patient ausschließlich enterale Nahrung erhält und ergänzend bilanzierte Sondennahrung, bei der die enterale Ernährung nur zusätzlich gereicht wird. Auf Grund des flüssigen Zustands kann die enterale Nahrung auch getrunken werden.

 

Einsatzgebiete von enteraler Nahrung

  • Bewusstlosigkeit / Koma
  • Erkrankungen von Mundhöhle oder Speiseröhre, des Magens oder des Darms (bspw. Tumore)
  • Traumata (etwa ein Schädel – Hirn – Trauma)
  • Verbrennungen
  • vor und nach Operationen, wenn der Patient mehr als sieben Tage nichts essen darf oder kann
  • Unterernährung (Magersucht oder auch bei älteren Menschen)
  • Bewusstseinsstörungen
  • Pankreatitis (chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung)
  • Operative Teilentfernung des Dünndarms
  • Schluckstörungen
  • AIDS

 

Unterschiedliche Erkrankungen erfordern unterschiedliche Präparate. In den Apotheken sind daher zahlreiche Präparate erhältlich, die sich diesen Anforderungen anpassen. Grundsätzlich aber unterliegt die jeweilige Zusammensetzung der Diätverordnung, welche die mindeste und höchste Menge an Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen festlegt. Die Hauptnährstoffe (Kohlehydrate, Eiweiß und Fett) werden an die entsprechende Situation angepasst.

Bei Diabetikern in etwa, die häufig oder langfristig enteral ernährt werden müssen, sollte der Anteil der Kohlehydrate reduziert werden, so dass der Blutzuckerspiegel möglichst gering gehalten werden kann.

Bei einer Niereninsuffizienz hingegen können Eiweiße nicht mehr in erforderlichem Maße ausgeschieden werden, weswegen bei dieser Krankheit das Eiweiß und unter Umständen auch Elektrolyte in der enteralen Nahrung reduziert, Kohlehydrate dagegen verstärkt eingesetzt werden müssen.

Auch bei einer Leberinsuffizienz ist der Eiweißstoffwechsel eingeschränkt. Eiweiß wird daher mit Aminosäuren (kleinste Eiweißbausteine) ersetzt, die keinerlei Abbauvorgang mehr durchlaufen müssen und verwendet werden können. Die Nahrung bei dieser Krankheit ist hochkalorisch, wobei die Fette bei den meisten Präparaten einen hohen Anteil an MCT-Fetten aufweisen.

Die gleichen Fette werden bei der enteralen Nahrung für Kinder eingesetzt. Hinzu kommen hier auch noch Carinitin und Taurin, da diese im Energiestoffwechsel ausschlaggebend sind. Kinder erhalten eine künstliche Ernährung, wenn sie an Mukoviszidose oder einer Zöliakie (einem Trauma oder einer Infektion) leiden.

Patienten, die zwar mangelernährt sind, aber noch essen können kann enterale Nahrung als Trinknahrung einen Ausgleich schaffen. Meist ist sie in diesem Fall reich an Eiweißen und arm an Kohlenhydraten. Auch verfügt das Präparat zum Ausgleich einer Mangelernährung oft über einen höheren Mineralstoffgehalt (etwa Calcium, Magnesium, Eisen, Zink) und Vitaminen.


  Da enterale Nahrung auch getrunken wird, haben die Hersteller sich für eine salzige und eine süße Geschmacksrichtung entschieden. Der Kaloriengehalt ist unterschiedlich. Eine normale Kalorienzufuhr bedeutet, dass 30 Kalorien pro Kilo Körpergewicht aufgenommen werden muss (ausreichend vor oder nach einer Operation sowie bei mobil eingeschränkten Personen). Dafür sind Präparate mit einer Energiedichte von einer Kalorie auf 100 Milliliter erhältlich. Entsprechend des Köpergewichtes wird die Gesamtmenge bestimmt. Hochkalorisch dagegen ist die Nahrung, wenn 40 bis 50 Kalorien pro Kilo Köpergewicht aufgenommen werden müssen. Das ist dann der Fall, wenn etwa ein Heilungsprozess (nach Verbrennungen oder schweren Infektionen) ein hohes Maß an Energie erfordert oder aber in Folge einer Krankheit, etwa einem Tumor, Nährstoffe nur schlecht verwertet werden können.